Was hat Zen mit Karate zu tun?



Was hat Zen mit Karate zu tun?

Wer mit Karate beginnt oder es bereits praktiziert, denkt zunächst an Technik: Fauststöße, Tritte, Blocks. An Kraft, Schnelligkeit, Präzision. Und das ist auch richtig so, Karate ist zunächst eine Kampfkunst, kein Meditationskurs.

Und doch: Wer lange genug trainiert, merkt, dass da noch etwas anderes mitschwingt. Etwas, das man nicht sofort sieht, aber mit der Zeit spürt.

Das kommt nicht von ungefähr. Das Shōtōkan Karate-dō, wie wir es heute kennen, wurde maßgeblich von Gichin Funakoshi geprägt, und Funakoshi war vom Zen-Buddhismus beeinflusst. In seinen zwanzig Grundsätzen, den Niju Kun, finden sich Sätze wie "Karate geht über das Dojo hinaus" und "Karate ist eine lebenslange Übung". Für Funakoshi war Karate nie nur Technik, sondern eine Haltung, die den ganzen Menschen betrifft, im Training wie im Alltag.

Mokuso, zweimal pro Trainingseinheit

Jedes Training im Dojo beginnt und endet mit Mokuso, einem kurzen Moment der Stille im Sitzen. Wir schließen die Augen, atmen. Was viele nicht wissen: Mokuso hat vorher und nachher zwei unterschiedliche Aufgaben. Zu Beginn hilft es, den Alltag draußen zu lassen und mit klarem Kopf ins Training zu gehen. Am Ende hilft es, nach der Anstrengung wieder zur Ruhe zu kommen, bevor man zurück in den Alltag geht. Nicht schlafen, nicht wegdriften, sondern das Denken beruhigen, so lässt sich Mokuso wörtlich übersetzen.

Diese Fähigkeit lässt sich auch außerhalb des Dojo üben. Ein Beispiel: Wenn ich irgendwohin fahre, versuche ich nicht ans Ziel zu denken oder mich abzulenken, durch Musik, durch ein Telefonat. Stattdessen lasse ich die Fahrt selbst zu und versuche im Moment zu sein, im Hier und Jetzt. Wenn Gedanken kommen, nehme ich sie an, ohne mich an sie zu klammern, und lasse sie weiterziehen. Im Zen heißt es: Gedanken sind wie weiße Wolken, sie kommen und gehen. Wenn man an einem Gedanken hängen bleibt, hilft es, sich voll und ganz auf die eigene Atmung zu konzentrieren, dann löst sich der Gedanke meist von selbst.

Kata, Bewegung als Beobachtung

In einer Kata gibt es keinen Raum für Ablenkung. Jede Bewegung, jeder Kime-Punkt, jede Übergangsstellung verlangt volle Aufmerksamkeit. Genau das ist ein Zen-Gedanke im Training: nicht mechanisch wiederholen, sondern bewusst wahrnehmen, was der Körper gerade tut. Wer eine Kata nur wiederholt, bekommt mehr Wiederholungen. Wer sie studiert, bekommt mehr Karate.

Wer eine Kata so beobachtet, merkt irgendwann etwas: Sie bleibt nicht gleich. Die Kata, die wir seit Jahren üben, verändert sich mit uns, mit unserem Verständnis und unserer Erfahrung.

Karate geht über das Dojo hinaus

Genau das ist einer von Funakoshis zwanzig Grundsätzen, wörtlich so formuliert. Für ihn war klar: Was im Training geübt wird, Achtsamkeit, Geduld, das genaue Hinschauen, soll nicht an der Dojotür enden. Deshalb üben wir Mokuso, deshalb studieren wir eine Kata, statt sie nur abzuspulen. Nicht, um im Dojo perfekt zu werden, sondern um diese Haltung mitzunehmen.

Osu, Dein Fiore


Wer diesen Gedanken für sich persönlich vertiefen möchte, kann das auch im direkten Austausch mit mir tun. In einer Session sprechen wir über Karate-Philosophie und Zen, über das, was dich bewegt, ohne Technik, nur im Gespräch – hier erfährst du mehr.


Über die Technik hinaus