GRUNDPRINZIPIEN
Die Heian shodan bildet die Basis des Shōtōkan-Karate.
Um sie zu erlernen, sind nur wenige Techniken notwendig. Gerade aus diesem Grund spielt sie eine sehr wichtige Rolle, die sowohl fortgeschrittene Karateka als auch Karate-Lehrer auf ihrem weiteren Weg immer stark begleiten sollte.
Denn je weiter ein Karateka auf seinem Weg ist, desto größer sind die Ansprüche, die sein Karate an ihn stellt.
Eine komplexe Kombination, ein Grundprinzip, eine veränderte Ausführung einer Technik, ein Rhythmus, die Atmung und vieles mehr können exzellent in der Heian shodan geübt und verinnerlicht werden – gerade weil die Kata einfach gehalten ist, lässt sich ein zugrunde liegende Konzept in unterschiedlichen Ausführungen einfach üben.
Hier sind ein paar Beispiele:
- Alle Stellungen durch eine andere ersetzen (z. B. Hangetsu dachi).
- Das könnte eine Unterstützung für die Kata Hangetsu sein.
- Die Armtechniken durch Fußtechniken oder Kombinationen ersetzen.
- In den Wendungen und allen Zwischenstellungen kompakt werden.
- Konzentration auf die Bauchatmung.
- Vor dem Technikeinsatz Blickwendungen ausführen und Ausholbewegungen korrekt absolvieren.
- Koshi no Kaiten: Die Hüfte steuert die Technik, nicht die Schulter.
- Fudōshin: Unerschütterlicher Geist. Auch bei einfachen Schritten sollte man komplette Präsenz bewahren.
- Die Verwurzelung mit dem Boden während des Vorwärtsgehens ist wichtig, um zu verhindern, dass man "hüpft".
Mit etwas Kreativität lassen sich unendlich viele Nutzungen der Heian shodan finden.
Die Heian shodan (wie übrigens alle anderen Kata auch) kann mit Kampftechniken statt mit Grundtechniken ausgeführt werden. Das bedeutet, dass Freikampfstellungen und Techniken zum Einsatz kommen, die nicht stehen bleiben, sondern zurückgezogen werden, wie es im Kampf üblich ist.
Diese Art der Ausführung lehrt, sich vom Gelernten zu lösen, um eine mentale Einstellung zu entwickeln, die Offenheit für Neues fördert.
Eine wichtige Lehre der Kata ist das Zentrieren. Bereits in der Heian shodan kommt dieses Prinzip durch die 45-, 90- und 180-Grad-Wendungen deutlich zum Tragen.
Dabei darf der Körper nicht schwanken oder „kippen”. Gleichzeitig stabilisieren die korrekt gehaltenen Arme, die am Körper eng anliegen sollen, die Rotationen zusätzlich.
Prinzip von Ikken Hissatsu: Mit einem Schlag vernichten
Da die Techniken in Heian shodan, wie beispielsweise Gedan barai oder Oi zuki, sehr großflächig sind, lässt sich hier die Massenübertragung optimal trainieren.
Körpereinheit: Es schlägt nicht nur der Arm, sondern der gesamte Körper wandert als geschlossene Einheit hinter die Technik.
Arretierung: Das exakte Timing, bei dem der Fuß den Boden berührt und die Faust das Ziel trifft, lässt sich hier in seiner Reinform perfektionieren.
Distanz: Maai
Auch wenn man die Kata allein ausführt, ist Heian shodan prädestiniert, um das Verständnis für Distanzen zu schärfen.
In der Standardform ist sie eine Langdistanz-Kata. Sie kann jedoch auch so trainiert werden, dass die Angriffs- oder die Abwehrtechniken in der absoluten Nahdistanz ausgeführt werden.